Wahlprüfsteine - Befragung der Parteien zur Kommunalwahl 2026 in Kassel
Im Vorfeld zur Kommunalwahl in Kassel am 15. März 2026 haben wir verschiedene Parteien aus Kassel zu Themen rund um Lebensmittelwertschätzung, Lebensmittelrettung und die Unterstützung lokaler Initiativen befragt.
Geantwortet haben uns folgende Parteien: Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, Tierschutzpartei, FDP und ÖDP.
Frage 1 – Welche Strategien verfolgen Sie, um ein Bewusstsein für Lebensmittelwertschätzung in Kindergärten und Schulen zu verankern?
Die Linke:
Feste Verankerung in Lehrplänen, Projekttage, Kooperationen mit Ernährungszentren bzw. dem Ernährungsrat Kassel und Region e.V. Außerdem fordert die Partei eigene Küchen und Mensen an Kasseler Schulen, täglich frisch gekochtes möglichst regionales Bio-Essen, kostenloses gesundes Mittagessen für alle Schüler*innen und mehr praktische Beschäftigung mit Lebensmitteln und Essenszubereitung. Fortbildungen für Lehrkräfte wurden nicht angekreuzt.
Bündnis 90/Die Grünen:
Feste Verankerung in Lehrplänen, Fortbildungen für Lehrkräfte bzw. pädagogisches Personal, Projekttage und Kooperationen mit Ernährungszentren bzw. dem Ernährungsrat Kassel und Region e.V. Zusätzlich nennen die Grünen eine frühzeitige Behandlung des Themas in Horten, Kitas und Grundschulen, etwa im Rahmen gemeinsamer Kochprojekte.
Tierschutzpartei:
Fortbildungen für pädagogisches Personal, Projekttage sowie Kooperationen mit lokalen Initiativen. Im Freitext heißt es, eine feste Verankerung in Lehrplänen sei grundsätzlich gut, Lehrpläne seien aber bereits teilweise übervoll; wichtiger sei deshalb, das Thema dauerhaft in den Alltag zu integrieren, etwa durch Küchen-Workshops, Mitbestimmung bei Speiseplänen und transparente Rückmeldungen zu Lebensmittelresten.
FDP:
Praxisnahe Verbraucherbildung, Projekttage und Kooperationen mit regionalen Initiativen. Eine feste Verankerung in Lehrplänen sagt die FDP nicht konkret zu und verweist auf die Zuständigkeit des Landes Hessen; Fortbildungen für Lehrkräfte werden nicht erwähnt. Zusätzlich nennt sie die Stärkung von ökonomischer Bildung und Alltagskompetenz auf Landesebene.
ÖDP:
Feste Verankerung in Lehrplänen, Fortbildungen für Lehrkräfte bzw. pädagogisches Personal sowie Kooperationen mit Ernährungszentren oder dem Ernährungsrat Kassel und Region e.V.; Projekttage wurden nicht angekreuzt.
Frage 2 – Welche Strategien verfolgen Sie, um die außerschulische Ernährungsbildung insb. für mehr Lebensmittelwertschätzung und Klimabildung zu fördern?
Die Linke:
Langfristige finanzielle Förderung sowie „Weiteres“. Im Freitext nennt die Partei die langfristige Förderung und den Ausbau sinnvoller Projekte wie der „Kantine für alle“ sowie öffentliche Kantinen in jedem Stadtteil. Außerdem verweist sie auf Klimaschutz auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, fordert auf Bundesebene ein Wegwerfverbot für Nahrungsmittel und eine Entkriminalisierung der Lebensmittelrettung und will durch Öffentlichkeitsarbeit mehr Bewusstsein schaffen. Projektgebundene Förderung und beratende Unterstützung wurden nicht angekreuzt.
Bündnis 90/Die Grünen:
Projektgebundene Förderprogramme, langfristige finanzielle Förderung, beratende Unterstützung von Initiativen und Organisationen durch Institutionen des Landes sowie „Weiteres“. Als Ergänzung nennen die Grünen die Vernetzung aller relevanten Akteur*innen; zu Umfang und Spielräumen einer Förderung müsse zunächst geprüft werden.
Tierschutzpartei:
Projektgebundene Förderprogramme und langfristige finanzielle Förderung. Im Freitext unterstützt die Partei sowohl projektbezogene Förderprogramme als auch eine längerfristige Finanzierung bewährter Initiativen. Genannt werden etwa Stadtteilkochgruppen, Workshops mit geretteten Lebensmitteln und offene Lernorte; dies verbinde Klimaschutz, Gesundheitsförderung und soziale Teilhabe. Beratende Unterstützung durch Institutionen des Landes wurde nicht angekreuzt.
FDP:
Projektgebundene Förderprogramme sowie beratende bzw. organisatorische Unterstützung. Langfristige finanzielle Förderung lehnt die FDP ab; sie spricht sich gegen dauerhafte institutionelle Subventionen ohne messbare Wirkung aus. Im Freitext betont sie, Förderung solle zeitlich befristet und zielorientiert sein.
ÖDP:
Beratende Unterstützung von Initiativen und Organisationen durch Institutionen des Landes; projektgebundene und langfristige finanzielle Förderung wurden nicht angekreuzt.
Frage 3 – Wie soll die Stadt Kassel lokale Initiativen, die sich für mehr Lebensmittelwertschätzung einsetzen, unterstützen?
Die Linke:
Finanzielle Unterstützung, organisatorische Unterstützung sowie „Weiteres“. Im Freitext nennt die Partei unterstützende Öffentlichkeitsarbeit, öffentliche Wertschätzung, Einladungen zu relevanten Veranstaltungen, Bildungsangebote und Kooperationen mit Ernährungsrat und foodsharing. Außerdem solle sich die Stadt Kassel im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Entkriminalisierung der Lebensmittelrettung einsetzen.
Bündnis 90/Die Grünen:
Finanzielle Unterstützung, organisatorische Unterstützung sowie „Weiteres“. Ergänzend nennen die Grünen mehr Sichtbarkeit für das Ehrenamt, etwa durch Ehrungen.
Tierschutzpartei:
Finanzielle Unterstützung, organisatorische Unterstützung sowie „Weiteres“. Im Freitext hebt die Partei besonders kostenfreie oder vergünstigte Räume, Unterstützung bei Genehmigungen und Hygienefragen, eine zentrale Ansprechstelle in der Verwaltung und eine stärkere Einbindung in die kommunale Öffentlichkeitsarbeit hervor.
FDP:
Organisatorische Unterstützung. Neue Fördertöpfe hält die FDP nicht für erforderlich; stattdessen solle man bestehende Mittel effizienter einsetzen. Konkret nennt sie Vernetzung, Raumnutzung und Unterstützung bei praktischen Fragen.
ÖDP:
Organisatorische Unterstützung; finanzielle Unterstützung wurde nicht angekreuzt.
Frage 4 – Wie wollen Sie im Rahmen Ihrer politischen Arbeit Individual- sowie Gemeinschaftsgastronomie und Lebensmitteleinzelhandel dazu bringen, weniger Lebensmittel wegzuwerfen?
Die Linke:
Aufklärung, Beratung und Unterstützung; Verpflichtung per Gesetz; außerdem „Weiteres“. Im Freitext nennt die Partei gesunde, regionale und biologische Verpflegung in Rathauskantine und städtischen Einrichtungen als Vorbild, dazu Öffentlichkeitsarbeit und Beratungsangebote. Finanzielle Anreize und freiwillige Selbstverpflichtung wurden nicht angekreuzt.
Bündnis 90/Die Grünen:
Aufklärung, Beratung und Unterstützung; finanzielle Anreize; Verpflichtung per Gesetz; freiwillige Selbstverpflichtung; außerdem „Weiteres“. Im Freitext nennen die Grünen Wettbewerbe in Kitas, Horten und Grundschulen wie „Müllsparen“.
Tierschutzpartei:
Aufklärung, Beratung und Unterstützung; finanzielle Anreize; freiwillige Selbstverpflichtung; außerdem „Weiteres“. Im Freitext setzt die Partei auf eine Kombination aus Beratung, Anreizen und klaren Rahmenbedingungen. Betriebe sollten Unterstützung bei der Weitergabe überschüssiger Lebensmittel sowie bei Bestell- und Lagerprozessen erhalten; zugleich könnten verbindlichere Regelungen sinnvoll sein, wenn sie gut begleitet würden. Eine gesetzliche Verpflichtung wurde im Formular nicht angekreuzt.
FDP:
Aufklärung, Beratung und Unterstützung sowie freiwillige Selbstverpflichtung bzw. Kooperation. Gesetzliche Verpflichtungen und kommunale Zwangsmaßnahmen lehnt die FDP ab; finanzielle Anreize werden nicht erwähnt. Zusätzlich fordert sie klare Haftungsregelungen und steuerliche Vereinfachungen für freiwillige Spenden.
ÖDP:
Aufklärung, Beratung und Unterstützung sowie Verpflichtung per Gesetz; finanzielle Anreize und freiwillige Selbstverpflichtung wurden nicht angekreuzt.
Frage 5 – Wie wollen Sie Informationskampagnen verstärken, um Verbraucher*innen Wissen und ein besseres Verständnis für MHD, Lagerung und Resteverwertung zu geben?
Die Linke:
Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Initiativen und Institutionen der Stadt Kassel fördern sowie finanzielle Förderung zivilgesellschaftlicher Initiativen zur Durchführung solcher Kampagnen. Aktionstage von Institutionen des Landes wurden nicht angekreuzt.
Bündnis 90/Die Grünen:
Aktionstage von Institutionen des Landes, Zusammenarbeit zwischen Initiativen und Institutionen der Stadt Kassel sowie finanzielle Förderung zivilgesellschaftlicher Initiativen.
Tierschutzpartei:
Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Initiativen und Institutionen der Stadt Kassel sowie finanzielle Förderung zivilgesellschaftlicher Initiativen. Aktionstage von Institutionen des Landes wurden nicht angekreuzt.
FDP:
Zusammenarbeit zwischen Initiativen und Institutionen. Aktionstage des Landes werden nicht erwähnt; eine finanzielle Förderung zivilgesellschaftlicher Initiativen wird ebenfalls nicht ausdrücklich genannt. Zusätzlich betont die FDP, Kampagnen sollten sachlich und zielgerichtet sein und sich besonders auf MHD, Lagerung und Resteverwertung konzentrieren.
ÖDP:
Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Initiativen und Institutionen der Stadt Kassel; die beiden anderen Optionen wurden nicht angekreuzt.
Frage 6 – Wie steht Ihre Fraktion zu einem bundesweiten „Wegwerfverbot“ für noch genießbare Lebensmittel im Einzelhandel nach französischem Vorbild?
Die Linke:
Dafür. Im Freitext fordert die Partei, dass nutzbare „Abfälle“ kostenfrei und legal verwendet werden dürfen, das Containern legalisiert wird und es ein Gesetz gegen das Wegwerfen und Zerstören noch genießbarer Lebensmittel geben soll.
Bündnis 90/Die Grünen:
Dafür. Im Freitext unterstützen die Grünen ein bundesweites Wegwerfverbot ausdrücklich, sehen Lebensmittelverschwendung als strukturelles Problem und betonen, Kommunen könnten politische Signale und Praxiserfahrungen liefern, die gesetzliche Umsetzung müsse aber auf Bundesebene erfolgen.
Tierschutzpartei:
Dafür. Im Freitext spricht sich die Partei klar für strengere gesetzliche Regelungen gegen Lebensmittelverschwendung aus und verweist auf Erfahrungen aus Frankreich, wo verbindliche Vorgaben zur Weitergabe überschüssiger Lebensmittel wirksam sein könnten, wenn Haftungsregeln und Infrastruktur stimmen.
FDP:
Dagegen. Die FDP lehnt ein bundesweites Wegwerfverbot nach französischem Vorbild ab und begründet das mit Bürokratie und Rechtsunsicherheit. Stattdessen setzt sie auf freiwillige Spenden, Haftungsklarheit und steuerliche Erleichterungen.
ÖDP:
Dafür.
Frage 7 – Welche Pläne gibt es, die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Land und Bund zu stärken, um bundesweite Lösungen zu fördern?
Die Linke:
Die Linke nennt klare gesetzliche Regelungen zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung sowie mehr Bildungsangebote. Außerdem verweist sie auf eine anwendungsorientierte Ernährungsbildung in Schulen und Kitas in Zusammenarbeit mit Bundesländern und Kommunen, gemeinsames Kochen, Schulgärten und Investitionen in Küchen.
Bündnis 90/Die Grünen:
Die Grünen wollen, dass kommunale Erfahrungen systematisch in Landes- und Bundesprozesse einfließen. Als Beispiel nennen sie den Kasseler Klimaschutzrat, dessen fachliche Empfehlungen politische Entscheidungen fundieren könnten; solche Strukturen sollten gestärkt und besser mit übergeordneten Ebenen verzahnt werden.
Tierschutzpartei:
Kommunen sollen als Praxislabor wirken, etwa mit Pilotprojekten, Datenerhebung und lokalen Netzwerken. Land und Bund sollten diese Erfahrungen aufnehmen und rechtliche sowie finanzielle Rahmenbedingungen schaffen, die Lebensmittelrettung erleichtern.
FDP:
Keine konkrete Aussage. Im abgeleiteten Antwortbogen wird lediglich allgemein auf Zuständigkeiten und Rahmenbedingungen verwiesen.
ÖDP:
Handschriftlich wird sinngemäß erklärt, man sei offen für Gespräche mit Tafel und foodsharing, wünsche sich mehr Informationen und habe Ressourcenschonung im Parteiprogramm. Der Kerngedanke ist Gesprächsbereitschaft und inhaltliche Offenheit.
Frage 8 – Wie würden Sie die Arbeit von foodsharing Kassel e.V. zukünftig konkret unterstützen?
Die Linke:
Die Linke kündigt aktive Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Initiativen vor Ort an und schlägt einen direkten Austausch vor, um konkrete Unterstützung zu besprechen, etwa durch Anträge in Ausschüssen und der Stadtverordnetenversammlung, gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit und Zusammenarbeit bei Veranstaltungen.
Bündnis 90/Die Grünen:
Die Grünen sehen foodsharing Kassel e.V. als wichtigen Partner und nennen stärkere Vernetzung mit Verwaltung, Bildungseinrichtungen und sozialen Trägern, Unterstützung der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie projektbezogene Förderung im Rahmen kommunaler Möglichkeiten.
Tierschutzpartei:
Genannt werden geeignete Räume und Lagerflächen, Unterstützung bei Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung mit Handel, Gastronomie und sozialen Einrichtungen sowie die Einbindung in kommunale Nachhaltigkeitsstrategien.
FDP:
Die FDP sagt organisatorische Unterstützung zu, insbesondere bei Vernetzung, Raumnutzung und praktischen Fragen. Neue Fördertöpfe hält sie nicht für erforderlich.
ÖDP:
Die handschriftliche Antwort ist nur teilweise klar lesbar. Sinngemäß bietet die Partei an, als Förderer für Abholungen von foodsharing wahrgenommen zu werden, und wünscht sich mehr Abholungen für Cateringveranstaltungen und auf Märkten.
Frage 9 – Welche Rolle sollen lokale Initiativen wie foodsharing Kassel e.V. bei der Erreichung Ihrer umweltpolitischen Ziele spielen?
Die Linke:
Lokale Initiativen hätten eine wichtige Funktion für Klima- und Umweltschutz, weil sie Themen öffentlich sichtbar machten, Debatten anstießen und politischen Druck erzeugten. Ehrenamtliches Engagement bringe umweltpolitische Fragen in Parlamente und mache Visionen vor Ort konkret erlebbar.
Bündnis 90/Die Grünen:
Lokale Initiativen seien unverzichtbar für wirksamen Klimaschutz. Sie verbänden Ressourcenschonung, soziale Verantwortung und praktische Bildungsarbeit und trügen gemeinsam mit anderen lokalen Strukturen dazu bei, Ernährung ökologisch, sozial gerecht und zukunftsfähig zu gestalten.
Tierschutzpartei:
Initiativen wie foodsharing seien ein zentraler Baustein kommunaler Nachhaltigkeitspolitik. Sie verbänden Ressourcenschutz mit sozialer Solidarität und seien nicht nur Ergänzung, sondern Motor für gesellschaftlichen Wandel.
FDP:
Die FDP sieht lokale Initiativen als wichtige Partner, die durch Eigeninitiative und Engagement konkrete Lösungen vor Ort umsetzen. Aufgabe der Kommune sei es, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, Hemmnisse abzubauen und Zusammenarbeit zu ermöglichen.
ÖDP:
Die handschriftliche Antwort ist nur teilweise sicher lesbar. Sinngemäß wird foodsharing zusammen mit der Tafel als wichtige Stimme bzw. Mitsprachemöglichkeit genannt; außerdem wird das französische Konzept positiv erwähnt und der Wunsch geäußert, dieses auch in Deutschland umzusetzen.
